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Leichnam

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

Kühlraum in der Rechtsmedizin der Charité Berlin

Mit Leichnam werden ausschließlich menschliche Verstorbene bezeichnet, während man unter einer Leiche (von mittelhochdeutsch līch, von althochdeutsch līh, ‚Körper, Fleisch, Leiche‘) den toten Körper eines Menschen oder Tieres versteht. Für Tierleichen gibt es die präzisierenden Begriffe Aas, Kadaver und Tierkörper.

In Teilen Österreichs und Süddeutschlands ist der Begriff Leich’ auch für den Bestattungsvorgang gebräuchlich, zu dem traditionell ein abschließender Leichenschmaus gehört.

Rechtliche Aspekte in Deutschland

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Totenfürsorge, öffentliches Recht

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Die Totenfürsorge für einen menschlichen Leichnam obliegt in Deutschland den nächsten Angehörigen, soweit der Verstorbene gemäß seinem postmortalen Selbstbestimmungsrecht keine anderen Anordnungen getroffen hat. Sie besteht unabhängig von der rechtlichen Einordnung des Leichnams.

Durch die öffentliche Verwaltung können die Angehörigen zu den Kosten der Bestattung herangezogen werden, auch wenn sie weder Erben geworden sind (etwa nach Ausschlagung der Erbschaft) noch unterhaltspflichtig im Sinne des § 1615 Abs. 2 BGB sind. Die genauen Regelungen treffen die Bestattungsgesetze der Bundesländer.

Gleichzeitig besteht auch ein entsprechendes Recht zur Totenfürsorge, in das Dritte nicht eingreifen dürfen. Wer zur Totenfürsorge berechtigt ist, entscheidet etwa über die Art der Bestattung und den Ort der Beisetzung.

Das Gesetz trifft eine Reihe von Hygienemaßnahmen zum Schutz der Öffentlichkeit vor den wirklichen oder vermeintlichen Gefahren des Leichnams. So existieren sogenannte Giftscheine ebenso wie Vorkehrungen für den Transport von Verstorbenen. So darf ein Leichnam nur an einen anderen Ort als den vorgesehenen Bestattungsplatz befördert werden, nachdem das Ordnungsamt des Sterbeortes einen Leichenpass erstellt hat (siehe auch Infektionsschutzgesetz).

Die sachenrechtliche Einordnung des Leichnams ist, insbesondere im Hinblick auf das Persönlichkeitsrecht, umstritten. Ob der Leichnam eine Sache ist, kann im Ergebnis dahinstehen, denn er ist dem Rechtsverkehr entzogen,[1] weil der Körper des verstorbenen Menschen auch nicht im Wege der Universalsukzession (§ 1922 BGB) Bestandteil der Erbschaft sein kann, da sie allein das Vermögen betrifft. Damit hat der Streit um die Sacheigenschaft eines Leichnams, der nicht wissenschaftlichen Zwecken dient, keine praktische Relevanz. Eine gesetzliche Regelung zum Beispiel über die Verwendung von Leichen in der Wissenschaft besteht nicht.

Die Sacheigenschaft des Leichnams eines Menschen im Sinne des deutschen Strafgesetzbuches ist umstritten. Nach einer Ansicht soll dieser keine bloße Sache sein, da die Menschenwürde auch über den Tod hinaus wirkt. Nach anderer Ansicht handelt es sich zwar um eine Sache, die aber nicht eigentumsfähig ist. Jedenfalls ist ein Leichnam daher kein taugliches Tatobjekt für einen Diebstahl oder eine Sachbeschädigung. Als Straftat kommt insofern nur die Störung der Totenruhe in Betracht.

Eine Ausnahme besteht, wenn ein Leichnam zu Forschungs- oder Ausstellungszwecken verwendet wird und daher nicht mehr für eine Bestattung vorgesehen ist.

Ein Leichnam kann im Rahmen eines strafrechtlichen Ermittlungsverfahrens sichergestellt, nicht jedoch beschlagnahmt werden, da der Betroffene keinen Widerspruch einlegen kann und kein Eigentum am Leichnam vorliegt. Demnach ist auch keine Eigentumsübertragung möglich.

Leichen in den Medien

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Seit 2000 treten vermehrt US-amerikanische Fernsehserien hervor, die die Toten nicht nur als Ausgangspunkt für Ermittlungen betrachten, sondern in denen im Verlauf von Ermittlungen, Untersuchungen oder Bestattungen konkret an der Leiche gearbeitet wird. Das Besondere an diesen aktuellen Serienphänomenen ist die explizite Fokussierung auf den Tod, tote Körper und das Sterben. Detaillierte Beweisaufnahmen am toten Körper oder das Nachstellen des Tatherganges und des konkreten Sterbemoments bezeugen die Spurensuche. Die Toten stehen im Mittelpunkt, körperliche Zeugenaussagen und thanatologische Maßnahmen bestimmen die Szenerie.

US-amerikanische Serien sind beispielsweise Six Feet Under, Pushing Daisies, Dexter, Navy CIS, Body of Proof, CSI: Den Tätern auf der Spur und deren Spin-offs CSI: Miami oder CSI: NY. Deutsche Produktionen mit ähnlichem Format sind unter anderem Post Mortem und R. I. S. – Die Sprache der Toten.

Menschliche Überreste in Museen und Sammlungen

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Die Liebenden von Valdaro in einer Vitrine im Archäologischen Nationalmuseum von Mantua

Zum Umgang mit menschlichen Überresten, wie Skeletten, Mumien und Moorleichen, in den Sammlungen von Museen hat man sich lange Zeit kaum Gedanken gemacht. Mittlerweile ist das öffentliche Interesse deutlich gestiegen, so dass Informationen zu der Herkunft von Ausstellungsstücken, einschließlich der Möglichkeit einer unrechtmäßigen Aneignung Gegenstand der öffentlichen Debatte geworden ist. Auch Umstände wie Grabraub, die als eine von mehreren Voraussetzungen für eine mögliche Rückgabe gilt, rückten dabei in den Fokus der Medienberichterstattung.

Das British Museum begann ab dem Jahr 2000, sich mit ethischen und rechtlichen Fragen zu Themen wie Erwerb, Lagerung und Ausstellung von Exponaten, die menschliche Überreste sind oder diese enthalten, auseinanderzusetzen.[2]

Der Deutsche Museumsbund hat im Jahr 2021 einen umfangreichen Leitfaden zu dem Thema Umgang mit menschlichen Überresten in Museen und Sammlungen veröffentlicht[3]. Museen, wie etwa das Berliner Museum für Naturkunde beteiligen sich mit eigenen Publikationen aktiv am Thema.[4]

Mittlerweile haben zahlreiche Länder, darunter auch Deutschland, einen Teil der kontrovers diskutierten Ausstellungsstücke zurückgegeben.[5][6]

Anlässlich einer Rückgabe menschlicher Überreste an die neuseeländischen Māori im Jahr 2023, nannte Petra Olschowski als Motivation den Wunsch einen „aktiven Beitrag zur Aufarbeitung kolonialen Unrechts“ zu leisten.[7]

Einige Beispiele

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Es gibt zahlreiche Einzelstücke aus dem Bereich der menschlichen Überreste, die Teil von Sammlungen oder Museen sind oder es waren. Einige davon sind in der Liste homininer Fossilien verzeichnet sowie in der Liste von Moorleichen oder als Teil der entsprechenden List für Mumien.

  • Eine archäologische Kontroverse um die erneute Bestattung von Skelettfunden entzündete sich in den 1920er Jahren am neolithischen Skelett eines dreijährigen Kindes.[8]
  • Das Staatliches Museum für Naturkunde Stuttgart gab im Jahr 2023 im Rahmen einer Zeremonie indigene Überreste, die aus Hawaii stammten, an eine von dort angereiste Delegation zurück. Rückblickend seien die menschlichen Überreste durch ein unmenschliche und ausbeuterische Forschungspolitik Teil der Sammlung geworden, so dass sie den Nachfahren im Auftrag des Landes Baden-Württemberg im April 2023 zurückgegeben wurden.[6]

Kommerzialisierung des Umgangs mit Leichen

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Seit 1996 hat der Anatom Gunther von Hagens mit seiner Ausstellung Körperwelten Leichen öffentlich zur Schau gestellt, die zuvor mit dem Verfahren der Plastination haltbar gemacht wurden. Im Jahre 2008 ließ von Hagens juristisch prüfen, ob Teile seiner Sammlung kommerziell verwertet werden, also an jedermann verkauft werden dürfen.[11] Nach Protesten nahm er Abstand von dieser Geschäftsidee.[12]

  • Romedio Schmitz-Esser: Der Leichnam im Mittelalter. Einbalsamierung, Verbrennung und die kulturelle Konstruktion des toten Körpers (= Mittelalter-Forschungen. Band 48). Thorbecke, Ostfildern 2014, ISBN 978-3-7995-4367-5.
  • Norbert Fischer: Vom Umgang mit toten Körpern. In: Liselotte Hermes da Fonseca, Thomas Kliche (Hrsg.): Verführerische Leichen – verbotener Verfall. „Körperwelten“ als gesellschaftliches Schlüsselereignis. Lengerich 2006, S. 113–124.
  • Liselotte Hermes da Fonseca, Thomas Kliche (Hrsg.): Verführerische Leichen – verbotener Verfall. „Körperwelten“ als gesellschaftliches Schlüsselereignis. Lengerich 2006
  • Christian Lenk und Nils Hoppe: Ein Modell zur Konstitution von Nutzungsrechten an menschlichem Gewebe und Körpermaterialien. In: Jochen Taupitz (Hrsg.): Kommerzialisierung des menschlichen Körpers. Springer, Berlin 2007, ISBN 978-3-540-69894-4, S. 199–212.
  • Thomas Macho: Todesmetaphern – zur Logik von Grenzerfahrungen. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1987, ISBN 3-518-11419-0.
  • Friedrich Casimir Medicus: Vorlesung Ueber die unverweslichkeit menschlicher körper. In: Historia et commentationes Academiae electoralis … Theodoro-Palatina, Band 2, Mannheim 1770, S. 309ff. (Digitalisat)
Commons: Leiche – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wikiquote: Leiche – Zitate
Wiktionary: Leiche – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
Wiktionary: Leichnam – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise

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  1. RG, Urteil vom 25. September 1930, RGZSt.64, 313, 316.
  2. Guidance for the Care ofHuman Remains in Museums British Museum, abgerufen am 6. April 2023
  3. Leitfaden. Care of Human Remains in Museums and Collections Deutscher Museumsbund, abgerufen am 6. April 2023
  4. Menschliche Überreste am Museum für Naturkunde Museum für Naturkunde (Berlin), abgerufen am 6. April 2023
  5. a b Kolonialzeit. Sachsen gibt menschliche Überreste an Australien zurück vom 17. November 1922 Mitteldeutscher Rundfunk, abgerufen am 6. April 2023
  6. a b Kunst und Kultur. Land gibt menschliche Überreste indigener Hawaiianer zurück vom 5. April 2023 Baden-Württemberg, abgerufen am 6. April 2023
  7. a b Kunst und Kultur. Land gibt menschliche Überreste an Māori Community zurück vom 30. Mai 2023 Baden-Württemberg, abgerufen am 6. April 2023
  8. Druids in row over boy's skeleton BBC, abgerufen am 6. April 2023
  9. Südtiroler Archäologiemuseum Ötzi, der Mann aus dem Eis Südtiroler Archäologiemuseum, abgerufen am 6. April 2023
  10. Gli amanti di Valdaro Museo Archeologico Nazionale di Matova, abgerufen am 6. April 2023
  11. Julia Jüttner: Tote in Scheiben für jedermann in Spiegel Online, 4. Februar 2008.
  12. „Dr. Tod“ sieht vom Leichen-Verkauf ab, Die Welt, 16. November 2011.
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