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Kommission für Mundart- und Namenforschung Westfalens

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

Die Kommission für Mundart- und Namenforschung Westfalens (KoMuNa) ist ein wissenschaftliches Gremium des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe (LWL). Sie ist neben der Literaturkommission für Westfalen, der Altertumskommission für Westfalen, der Geographischen Kommission für Westfalen, der Historischen Kommission für Westfalen und der Kommission Alltagskulturforschung für Westfalen eine von sechs wissenschaftlichen Kommissionen für Landeskunde des LWL.

Die 1972 gegründete Kommission für Mundart- und Namenforschung hat die Aufgabe, die sprachwissenschaftliche Erforschung Westfalens durch Untersuchungen, Publikationen und Sammlungen zu fördern. Zur Umsetzung ihrer Aufgaben dient eine Arbeits- und Forschungsstelle, die zahlreiche Publikationen herausgibt, Tagungen und Vorträge organisiert und ein stetig wachsendes Internetportal zur westfälischen Sprachforschung anbietet.[1] Die KoMuNa hat derzeit 53 gewählte Mitglieder.[2]

Ausgangspunkt der Einrichtung war die Gründung des „Westfälischen Provinzialwörterbuchs“ (heute „Westfälisches Wörterbuch“) im Jahr 1927 durch die damalige Provinzverwaltung. Zur institutionellen Absicherung des Wörterbuchs wurde ein Jahr später die Volkskundliche Kommission für Westfalen ins Leben gerufen, die sich später in die „Abteilung Volkskunde“ und die „Abteilung Mundart- und Namenforschung“ aufgliederte. Aufgrund der Erweiterung der Aufgabenstellungen und Projekte sowie der differenzierten fachspezifischen Entwicklung innerhalb der Volkskunde und der Sprachwissenschaft wurden beide Abteilungen 1972 zu eigenständigen Kommissionen ernannt.[3]

Die KoMuNa arbeitet eng mit dem Germanistischen Institut der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster zusammen. In der Geschäftsstelle der KoMuNa sind zurzeit drei wissenschaftliche Referenten, eine wissenschaftliche Volontärin, eine Verwaltungsangestellte und fünf studentische Volontärinnen beschäftigt. Jahresberichte mit aktuellen Informationen über Publikationen und Veranstaltungen der KoMuNa erscheinen in „Westfälische Forschungen. Zeitschrift des LWL-Instituts für westfälische Regionalgeschichte“.

Vorsitzende seit Gründung der Kommission:

Hauptprojekte der Arbeitsstelle

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Westfälisches Wörterbuch

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Das Westfälische Wörterbuch dokumentiert den Wortschatz der niederdeutschen Dialekte in Westfalen-Lippe und steht in der Reihe der 21 großlandschaftlichen deutschen Dialektwörterbücher. Das Wörterbuch basiert auf einem Archivbestand von mehr als 5 Millionen Belegen, der durch mündliche und schriftliche Befragungen, durch Material ehrenamtlicher Mitarbeiter sowie durch viele andere Quellen zustande gekommen ist. Erarbeitet wurden die fünf Bände von 1973 bis 2021.[5][6][7]

Westfälisches Sprichwortarchiv

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Das Westfälische Sprichwortarchiv[8] umfasst ca. 30.000 Belege für Sprichwörter, Redensarten und Sagwörter aus allen Teilen Westfalens, die von 1965 bis 1970 erhoben wurden. Der Bestand wird gegenwärtig für die Veröffentlichung vorbereitet.[9]

Internetportal Familiennamengeografie

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Das Internetportal Familiennamengeografie steht seit August 2006 zur Verfügung. Es beruht auf Telefonanschlussdaten der Deutschen Telekom aus dem Jahr 2005. Der Benutzer kann sich die räumliche Verbreitung von Familiennamen in Westfalen-Lippe kartografisch oder tabellarisch anzeigen lassen.[10] Das Internetportal Familiennamengeographie ist wegen der Sicherheitslücke log4shell derzeit offline (Stand: Dezember 2023).[11]

Interaktiver Sprachatlas

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Der „Interaktive Sprachatlas des westfälischen Platt“ – kurz ISA – ist seit 2015 online.[12] Der Interaktive Sprachatlas besteht aus 43 Karten und ermöglicht dem Nutzer, die Mannigfaltigkeit der westfälischen Mundarten zu entdecken. Die Kartenansicht lässt sich individuell einstellen. Außerdem sind mit den Karten Tonaufnahmen aus 67 Orten verknüpft.[13]

Westfälischer Flurnamenatlas

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Auf der Grundlage des Westfälischen Flurnamenarchivs mit seinen ca. 650.000 Belegeinheiten ist der Westfälische Flurnamenatlas[14] erstellt worden. Das Archiv besteht aus zahlreichen gedruckten und handschriftlichen Sammlungen sowie aus Belegen der Katastervermessungen des 19. Jahrhunderts. Das Material ist in den 1980er Jahren zu einer Flurnamen-Datenbank zusammengefügt worden. 2000 bis 2012 ist der Atlas in fünf Lieferungen mit 414 Karten und 171 Kommentaren zu den für Westfalen wichtigen Flurnamen erschienen.[15]

Publikationsreihen

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Niederdeutsches Wort

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Das 1960 gegründete Jahrbuch Niederdeutsches Wort verzeichnet bisher 63 Bände (Stand: 2023) und erscheint im Aschendorff Verlag (Münster).[16] Es ist eines der wichtigsten Organe der niederdeutschen Philologie.

Niederdeutsche Studien

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Die Buchreihe Niederdeutsche Studien wurde 1954 gegründet und erscheint im Böhlau Verlag (Köln, Weimar, Wien). Veröffentlicht wurden bisher 63 Monographien und Sammelbände.

Westfälische Beiträge zur niederdeutschen Philologie

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In der 1991 gegründeten Buchreihe Westfälische Beiträge werden kleinere Studien zum Niederdeutschen herausgegeben. Sie erscheinen im Ardey Verlag (Münster). Bisher sind 19 Bände zu verzeichnen.

Westfälische Mundarten

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Die 2017 gegründete Buchreihe Westfälische Mundarten erscheint im Aschendorff Verlag (Münster). In farbig illustrierten Bänden werden die einzelnen westfälischen Mundartregionen vorgestellt. Bisher sind drei Bände erschienen.

  • Westfälisches Wörterbuch, Bd. I–V: A bis Ypern (vollständig), erschienen 1973 bis 2021
  • Westfälischer Flurnamenatlas, Lfg. 1–5 (vollständig), erschienen 2000 bis 2012
  • Robert Damme: Das Westfälische Wörterbuch. In: Niederdeutsches Wort. Bd. 37, 1997, ISSN 0078-0545, S. 13–20.
  • Robert Damme, Jan Goossens, Gunter Müller, Irmgard Simon, Tim Sodmann, Hans Taubken, Paul Teepe: Die Kommission für Mundart- und Namenforschung Westfalens. In: Westfälische Forschungen. Bd. 38, 1988, ISSN 0083-9027, S. 186–211.
  • Robert Damme: Das Westfälische Wörterbuch. In: Germanistische Dialektlexikographie zu Beginn des 21. Jahrhunderts (= ZDL-Beihefte. Band 181). Hrsg. von Alexandra N. Lenz und Philipp Stöckle. Steiner, Stuttgart 2021, ISBN 978-3-515-12911-4, S. 223–221 (DOI:10.25162/9783515129206).
  • Markus Denkler: Kommission für Mundart- und Namenforschung Westfalens – Linguistische Grundlagenforschung für die Region. In: Heimatpflege in Westfalen. Jg. 16, Nr. 5, 2012, ISSN 0933-6346, S. 22–24, Digitalisat (PDF; 3,78 MB).
  • Jan Goossens: 25 Jahre Kommission für Mundart- und Namenforschung Westfalens. In: Niederdeutsches Wort. Bd. 37, 1997, S. 1–4.
  • Gunter Müller: Vom Westfälischen Flurnamenarchiv zum Westfälischen Flurnamenatlas. In: Niederdeutsches Wort. Bd. 37, 1997, S. 21–34.
  • Irmgard Simon: Das Lexikon westfälischer Sprichwörter. In: Niederdeutsches Wort. Bd. 37, 1997, S. 35–43.
  • Hans Taubken: Geschichte und Aufgaben der Kommission für Mundart- und Namenforschung Westfalens. In: Niederdeutsches Wort. Bd. 37, 1997, S. 5–12.

Einzelnachweise

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  1. Markus Denkler: Kommission für Mundart- und Namenforschung Westfalens – Linguistische Grundlagenforschung für die Region. In: Heimatpflege in Westfalen. Jg. 16, Nr. 5, 2012, S. 22–24.
  2. Kommission für Mundart- und Namenforschung Westfalens – Mitglieder
  3. Hans Taubken: Geschichte und Aufgaben der Kommission für Mundart- und Namenforschung Westfalens. In: Niederdeutsches Wort. Bd. 37, 1997, S. 5–12.
  4. Prof. Dr. Hermann Niebaum ist neuer Vorsitzender der LWL-Kommission für Mundart- und Namenforschung Westfalens, Pressemitteilung des LWL vom 4. Juni 2014
  5. Robert Damme: Das Westfälische Wörterbuch. In: Germanistische Dialektlexikographie zu Beginn des 21. Jahrhunderts (= ZDL-Beihefte. Band 181). Hrsg. von Alexandra N. Lenz und Philipp Stöckle. Steiner, Stuttgart 2021, ISBN 978-3-515-12911-4, S. 223–221 (doi:10.25162/9783515129206).
  6. Robert Damme: Das Westfälische Wörterbuch. In: Niederdeutsches Wort. Bd. 37, 1997, ISSN 0078-0545, S. 13–20.
  7. Kommission für Mundart und Namenforschung Westfalens (Hrsg.): Das Westfälische Wörterbuch. Dokumentation des niederdeutschen Wortschatzes Westfalens. Münster 2021.
  8. Kommission für Mundart- und Namenforschung Westfalens – Lexikon westfälischer Sprichwörter und Redensarten
  9. Irmgard Simon: Das Lexikon westfälischer Sprichwörter. In: Niederdeutsches Wort. Bd. 37, 1997, S. 35–43.
  10. Kommission für Mundart- und Namenforschung Westfalens – Familiennamengeografie
  11. Verbreitung von Familiennamen in Westfalen-Lippe, abgerufen am 11. Dezember 2023.
  12. Kommission für Mundart- und Namenforschung Westfalens – Interaktiver Sprachatlas
  13. Kommission für Mundart- und Namenforschung Westfalens – Interaktiver Sprachatlas Info
  14. Kommission für Mundart- und Namenforschung Westfalens – Flurnamenatlas
  15. Gunter Müller: Vom Westfälischen Flurnamenarchiv zum Westfälischen Flurnamenatlas. In: Niederdeutsches Wort. Bd. 37, 1997, S. 21–34.
  16. Das Jahrbuch Niederdeutsches Wort beim Aschendorff Verlag, abgerufen am 24. Januar 2024.
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